Tian’anmen: Der Platz des Himmlischen Friedens

Mitten im Herzen Pekings befindet sich der Tian’anmen Square – der größte innerstädtische Platz der Welt. Als Standort des Nationalen Volkskongresses, dem höchsten Entscheidungsorgan der Kommunistischen Partei, markiert er eines der wichtigsten politischen Zentren der Welt. InsightBeats stellt euch den geschichtsträchtigen Platz, um den kein Peking-Touri herum kommt, vor.

Jeden Morgen, wenn die Sonne auf- und jeden Abend, wenn sie wieder untergeht, versammeln sich auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking Hunderte bis Tausende von Besuchern, um der berühmten Fahnenzeremonie beizuwohnen – einem Ritual aus den 90er Jahren, bei dem die chinesische Nationalflagge von 36 Gardesoldaten der Volksbefreiungsarmee feierlich gehisst bzw. eingeholt wird. Vor allem den chinesischen Zuschauern – Touristen aus allen Regionen des Landes – ist die Begeisterung deutlich anzusehen. Sie finden ihre patriotischen Gefühle befriedigt und stehen vereint für ihr sozialistisches Vaterland. Für ausländische Augen hingegen wirkt die Zeremonie in erster Linie wie ein perfekt inszeniertes Schauspiel, das jedoch durchaus das eine oder andere Selfie wert ist.

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Fahnenzeremonie auf dem Tian’anmen Square: Befriedigung patriotischer Gefühle

Ein blinder Fleck in Chinas Geschichte

Dabei hat das Ritual einen ernsten Hintergrund, wurde es doch gerade Mal zwei Jahre nach dem blutigen Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens eingeführt, bei dem die chinesische Regierung am 4. Juni 1989 mit Panzern auf demonstrierende, unbewaffnete Studenten feuern ließ und ein regelrechtes Blutbad anrichtete. Bis heute sind die Ereignisse ein blinder Fleck in der Tausende Jahre alten Geschichte Chinas – und wenn es nach der Regierung geht, sollten sie am besten für immer in der Vergessenheit verschwinden. Die Einführung der Fahnenzeremonie war nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen die KP-Bosse das kollektive Gedächtnis der Bevölkerung wieder in die richtige Spur zu bringen versuchten – und wenn man die bewundernden, freudestrahlenden Gesichter der chinesischen Zuschauer betrachtet, scheint diese Rechnung auch tatsächlich aufgegangen zu sein.

Heute herrschen auf dem Platz des Himmlischen Friedens vor allem zwei Dinge: Nationaler Stolz und verordnetes Schweigen. Jegliche Proteste oder Versuche, des Massakers zu gedenken, sind strengstens verboten und werden von der Staatspolizei im Keim erstickt.

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Warten auf die Fahnenzeremonie: Freudestrahlende Gesichter

Strenge Sicherheitsmaßnahmen auf dem ganzen Platz

Seit sich am 21. Oktober 2011 auf dem Platz in der Nähe des Mao-Porträts ein Mensch aus Protest selbst angezündet hat, hat die chinesische Regierung den Tian’anmen Square praktisch komplett abgeriegelt. Besucher können den Platz seither nur noch an bestimmten Check Points betreten, wo sie sich zuvor einer strengen Kontrolle durch Sicherheitspersonal unterziehen müssen. Wer sich verdächtig verhält, verbotene Substanzen, brennbare Stoffe oder Spruchbänder bei sich führt, wird aussortiert und umgehend verhaftet. Die Regierung will um jeden Preis verhindern, das der geschichtsträchtigste Platz Chinas erneut zum Schauplatz von Protestaktionen wird. Auch auf dem Square herrschen strenge Sicherheitsmaßnahmen: So gibt es keinen Quadratmeter und keine Ecke, die nicht kameraüberwacht wird. Darüber hinaus patrouillieren wachsame Polizeibeamte und Sicherheitskräfte über den Platz und behalten alles und jeden im Auge.

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Sicherheitsmaßnahmen: Keine Ecke auf dem Platz, die nicht überwacht wird


Der Tian’anmen Platz im Überblick

Panorama
180°-Panoramablick auf den Tian’anmen Square (zum Vergrößern klicken)

Wer sich von den zahlreichen Überwachungsmaßnahmen nicht einschüchtern lässt und es durch die Sicherheitskontrollen geschafft hat, dem eröffnet sich ein unvergleichlicher Anblick: Ein 40 Hektar (= 400.000 m²) großer Platz, abwechselnd umringt von antiker chinesischer und sozialistischer Herrschaftsarchitektur. Zu den beliebtesten Fotomotiven gehören das Tor des Himmlischen Friedens mit dem Mao-Porträt, das gleichzeitig der Eingang zur Verbotenen Stadt ist, das südliche Zhengyang-Tor, die Große Halle des Volkes, die Gedenkhalle für den Vorsitzenden Mao sowie das Denkmal für die Helden des Volkes. Sie werden im Folgenden in aller Kürze vorgestellt:

Tor des Himmlischen Friedens

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Das Tor des Himmlischen Friedens: Wiege der Volksrepublik China

Das Tor des Himmlischen Friedens zählt zusammen mit der Chinesischen Mauer zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Chinas. Es befindet sich am nördlichsten Punkt des Tian’anmen-Platzes und dient gleichzeitig als Haupteingang zur angrenzenden Verbotenen Stadt, dem ehemaligen Kaiserpalast Pekings. Erbaut wurde das Tor im Jahr 1417 zu Zeiten der Ming-Dynastie. Der Kaiser Yongle pflegte vor dem Tor seine neuen Gesetze, Bekanntmachungen und Dekrete zu verlesen und nutzte den Platz für die öffentliche Zurschaustellung von Opfergaben. Jahrhunderte später, am 1. Oktober 1949, rief der große Vorsitzende Mao Zedong hier die Volksrepublik China aus, weshalb bis zum heutigen Tage ein über sechs Meter hohes und fünf Meter breites Porträt Maos das Tor ziert.

Im Jahr 2000 gelangten Dokumente an die Öffentlichkeit, die belegten, dass das heutige Tor des Himmlischen Friedens nicht das originale Tor aus der alten Kaiserzeit ist. Demnach wurde das alte Tor 1969/70 aufgrund von Alterserscheinungen abgerissen und von der Öffentlichkeit abgeschirmt originalgetreu wieder aufgebaut. Für die Chinesen ist das aber nicht weiter problematisch; sie lieben ihr Tor des Himmlischen Friedens und pilgern täglich zu Tausenden dort hin, um sich vor dem Konterfei Maos ablichten zu lassen.

Große Halle des Volkes mit Nationalem Volkskongress

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Die Große Halle des Volkes: Chinas politisches Epizentrum (Foto: CEphoto, Uwe Aranas / CC-BY-SA-3.0)

Wenn es in China so etwas wie ein politisches Epizentrum gibt, dann ist es der Nationale Volkskongress in der Halle des Volkes. Ein Mal im Jahr tagt hier das mit 3.000 Abgeordneten größte Parlament der Welt. Dann kommen Delegierte aus allen Ecken und Winkeln des Landes zusammen, um lautstark zu applaudieren, wenn Staats- und Regierungschef Xi Jinping die positiven Errungenschaften seiner Regierung verliest, um seine neuen Gesetzesvorhaben wohlwollend abzunicken und insgesamt Einigkeit zu demonstrieren. Die Große Halle des Volkes dient gleichzeitig als Empfangsort für Staatsgäste und ausländische Regierungschefs sowie als Veranstaltungsort von Gedenkfeiern und Banketten. Das Gebäude ist insgesamt 171.800 m² groß und für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintrittspreis liegt bei 30 RMB (ca. 4 Euro).

Chinesisches Nationalmuseum

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Chinesisches Nationalmuseum: Chinas Gesamtgeschichte auf 195 000 m²

Mit knapp 195.000 m² ist das Chinesische Nationalmuseum das größte Museumsgebäude der Welt. Mit mehr als einer Million Ausstellungsstücken zeigt das Museum die gesamte Geschichte Chinas – von den Urmenschen über das erste Kaiserreich im Jahr 221 v. Chr., den zahlreichen nachfolgenden Dynastien bis zur Industrialisierung und Modernisierung im 21. Jahrhundert. Mit der deutschen Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ zeigte das Museum im Jahr 2011 erstmals auch eine internationale Sammlung von Kunstgegenständen, darunter auch Werke der Maler Wolfgang MattheuerGeorg Baselitz und Neo Rauch. Die Ausstellung sorgte in Deutschland zum Teil für heftige Kontroversen, was u.a. darauf zurückzuführen war, dass der chinesische Künstler und Dissident Ai WeiWei nur zwei Tage vor Ausstellungsbeginn von der chinesischen Staatssicherheit festgenommen wurde.

Wer sich für chinesische Geschichte begeistern kann, dem ist ein Besuch im Nationalmuseum dennoch wärmstens zu empfehlen. Besucher sollten allerdings mehrere Tage dafür einplanen, da die Ausstellung aufgrund ihrer enormen Größe kaum an einem Tag zu schaffen ist. Der Eintritt ist grundsätzlich frei, für Sonderausstellungen wird ein Eintrittsgeld von 10 RMB (ca. 1,40 Euro) berechnet.

Gedenkhalle für Mao Zedong

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Gedenkhalle für Mao Zedong: Letzte Ruhestätte von Chinas großem Führer (Foto: David Castor)

Dieser Gedenkhalle kommt eine einzigartige Bedeutung zu, denn sie dient als das Mausoleum von Chinas einstigem großen Führer Mao Zedong. Nach seinem Ableben am 9. September 1976 wurden Maos sterbliche Überreste konserviert und in der Gedenkhalle ausgestellt, wo sie auch heute noch besichtigt werden können. Das Mausoleum gilt sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen als ein absoluter Publikumsmagnet. Das Gebäude selbst ist von insgesamt 44 Granitsäulen umringt und wird von zwei revolutionären Skulpturen, die den Aufbruch Chinas künstlerisch abbilden, flankiert.

Im Inneren der Halle liegt Maos konservierter Körper in eine kommunistische Fahne gehüllt und von Sicherheitsleuten umringt. Sie sorgen dafür, dass keiner der Besucher zu lange vor dem Leichnam stehen bleibt oder gar auf die Idee kommt, Fotos zu schießen. Generell herrscht in der gesamten Halle ein Kamera- und Handyverbot. Der Eintritt zum Mausoleum ist frei, allerdings sollten sich Besucher auf lange Warteschlangen gefasst machen.

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Revolutionäre Skulpturen: Sinnbild für Chinas großen Aufbruch (Foto: Daniel Case)

Denkmal für die Helden des Volkes

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Chinas Nationaldenkmal: Gedenken an die Toten und Gefallenen (Foto: Danter Taylor; CC BY-SA 3.0)

Im Zentrum des Tian’anmen-Platzes befindet sich das Denkmal für die Helden des Volkes. Es wurde zu Ehren all jener errichtet, die während Chinas zahlreicher Revolutionskämpfe im 19. und 20. Jahrhundert ihr Leben verloren haben. Das Denkmal ist knapp 40 Meter hoch und wiegt mehr als 10.000 Tonnen. 1958 fertiggestellt, erzählt das Monument mittels eingemeißelter Daten und Reliefs von entscheidenden Ereignissen aus der Zeit des Ersten Opiumkrieges. Die Vorderseite des Denkmals ziert zudem eine Handschrift Mao Zedongs, der sich mit den Worten „Ewiger Ruhm den Helden des Volkes!“ verewigt hat.

Zhengyang-Tor

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Zhengyangmen: Das einstige südliche Stadttor mit Wachturm (Foto: Justin Talbot-Jones)

Erbaut zu Zeiten der Ming-Dynastie, diente das südliche Stadttor als einer von neun Übergängen von der inneren zur äußeren Stadt. Seine Größe und Pracht verdankt es seinem Status als Haupttor. In der antiken Zeit war es allein dem Kaiser vorbehalten, dieses Tor zu nutzen. Das südliche Stadttor ist im Laufe der Jahrhunderte mehrmals restauriert worden und entspricht heute nicht mehr dem originalen Tor aus dem 15. Jahrhundert.

Anfahrt Tian’anmen-Platz:

Mit dem Bus:
Linien 1, 2, 4, 5, 10, 20, 52, 57, 22, 54, 120, 802, Spezialbus Nr.1 bis Haltestelle Zhongshan Park oder Tian An Men

Mit der Metro:
Linie 1 bis Haltestelle Tian’anmen Ost bzw. Tian’anmen West

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