Weibo Diplomacy: Wo bleibt Angela Merkel?

Das chinesische Twitter-Pendant Weibo hat mehr als 500 Millionen Mitglieder. Wer mit Chinas Netizens in Kontakt treten, sich selber vermarkten oder um Wählerstimmen werben will, kommt um das Monster-Netzwerk nicht herum. Zahlreiche deutsche Persönlichkeiten haben das bereits erkannt und eigene Accounts auf der Plattform eröffnet. Wer sie sind und wer die meisten Fans hat, erfahren Sie in diesem Artikel.

Eines gleich vorweg: Das obige Titelbild ist eine Montage – Angela Merkel ist in Wahrheit gar nicht auf Weibo. Dessen ungeachtet werden immer mehr internationale Politiker auf Chinas größtes soziales Netzwerk aufmerksam und eröffnen eigene Accounts. Indiens Staatschef Narendra Modi hat einen. Ebenso die britische Premierministerin Theresa May und Londons Bürgermeister Boris Johnson. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon ist schon lange dabei und auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, ist bereits vertreten.

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Boris Johnsons Weibo-Account (Foto: Screenshot)

300 ausländische Politiker auf Weibo

Laut Aussagen des chinesischen Internetunternehmens Sina Corporation, das für den Microblogging-Dienst verantwortlich zeichnet, sind heute etwa 300 ausländische Politiker in dem sozialen Netzwerk registriert. Darunter auch der ehemalige australische Premierminister Kevin Rudd und Venezuelas Präsident Nicolas Maduro sowie eine ganze Reihe australischer, britischer und neuseeländischer Politiker, die hierzulande relativ unbekannt sein dürften. Sie werben auf der Plattform um Wählerstimmen ihrer in China lebenden Staatsbürger, posten Eindrücke von ihren China-Reisen und beantworten fleißig User-Fragen.

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Narendra Modis Weibo-Account (Foto: Screenshot)

Deutschland auf dem vierten Platz

Angela Merkel ist (noch) nicht dabei. Generell sucht man deutsche Politiker auf Weibo bislang vergeblich. Dabei macht es auch für deutsche Volksvertreter durchaus Sinn, den direkten Draht zur chinesischen Netzgemeinde in ihre diplomatische Arbeit zu integrieren. Denn die Chinesen interessieren sich für kaum ein anderes Land so sehr wie für Deutschland. Laut einer MERICS-Studie aus dem Jahr 2015, die das Nutzerinteresse der chinesischen Weibo-Mitglieder untersucht hat, liegt Deutschland im Nationen-Ranking auf dem vierten Platz.

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Beliebt bei den chinesischen Weibo-Usern: Deutschland rangiert auf Platz 4 (Quelle: MERICS)

Deutscher Fußball auf Weibo ein beliebtes Gesprächsthema

Dabei drehen sich die Diskussionen in dem sozialen Netzwerk am häufigsten um Fußball, deutsche Produktqualität und Bildung. Zu den deutschen Profilen mit den meisten Followern zählen das DFB-Team oder der FC Bayern München. Generell ist der deutsche Fußball auf Weibo ein beliebtes Gesprächsthema. Zwar sind auch zahlreiche deutsche Einrichtungen, wie zum Beispiel die Deutsche Botschaft in Peking oder Institutionen aus dem Bildungsbereich, wie etwa das Goethe Institut, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) oder das Deutschland-Zentrum, auf Weibo vertreten. Allerdings nutzen diese Akteure das Netzwerk in erster Linie als Informationsportal und nicht als eine interaktive Plattform, auf der Inhalte kommentiert, geteilt oder geliked werden sollen.

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Weibo-Account der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (Foto: Screenshot)

Philipp Lahm und „Prinz Poldi“ prägen das chinesische Deutschlandbild

„Institutionen posten sehr häufig Antragsformulare und Job-Ausschreibungen als Fotos oder Webseiten-Screenshots. Formate wie Cartoons, Kurzvideos oder Infografiken, die vor allem jüngere chinesische Netizens ansprechen, werden kaum genutzt“, so der China-Experte und ehemalige MERICS-Fellow Karsten Luc in seiner Studie. Darüber hinaus erreichen sie aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Follower-Zahlen nur einen kleinen Teil der chinesischen User. Im Gegensatz dazu haben viel beachtete Persönlichkeiten wie Lukas Podolski oder Philipp Lahm einen wesentlich größeren Einfluss und prägen dementsprechend stärker das Deutschlandbild in Chinas sozialen Netzwerken.

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Weibo-Account von FC Bayern München-Spieler Philipp Lahm (Foto: Screenshot)

Promis als Deutschland-Botschafter

So plädiert Luc denn auch dafür, prominente Persönlichkeiten als Deutschland-Botschafter zu nutzen. Wenn schon keine offiziellen Amtsträger den direkten Dialog mit chinesischen Netizens forcieren, so könnten sich zumindest deutsche Prominente mit wichtigen chinesischen Persönlichkeiten in den sozialen Medien vernetzen, um bedeutenden Deutschland bezogenen Themen ein größeres Gewicht zu verleihen. „Das aktuelle Deutschlandbild ist in den chinesischen Sozialen Medien überwiegend positiv“, resümiert Luc. „Es wäre aber fahrlässig, sich darauf auszuruhen.“

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Dieser Blogbeitrag ist eine Zusammenfassung des Artikels „Soziale Medien in China: Wo bleibt Angela Merkel?„, der im Dezember 2015 auf der Online-Plattform Politik-Digital.de veröffentlicht wurde.

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